Vereins-Portait

Im Jahr 1919, kurz nach dem ersten Weltkrieg, bildete sich eine Gesangsgruppe von zunächst vier Sängern um den späteren Ehrenchorleiter Gustav- Martin Aumüller, um im kleinen Kreis gesellige und volkstümliche Lieder zu singen. In kurzer Zeit hatte sich der Kreis auf acht Sänger erweitert. Als man am 24. Oktober 1920 einen öffentlichen Liederabend durchführen wollte, musste der neue Verein polizeilich angemeldet werden. Die erste Satzung wurde Bürgermeister Brahm am 12. Oktober 1920 vorgelegt. Der erste öffentliche Liederabend des Vereins konnte am 24. Oktober 1920 unter Leitung von Gustav Martin Aumüller mit acht Sängern, die teilweise dem Männergesangverein ”Teutonia” angehörten, stattfinden. Der Liederabend fand großen Anklang. In dieser ersten Satzung war die Sängerzahl auf höchstens 16 beschränkt, um dem MGV ”Teutonia” keine Sänger abzuwerben. Bald entfaltete sich ein reges Vereinsleben, der kleine Chor beteiligte sich an örtlichen Veranstaltungen und gewann Bedeutung und Ansehen.

Ende 1921 zählte der Chor schon 14 Sänger. Besonders hervorgetreten ist der kleine Chor durch seine Mitwirkung bei den im Jahre 1923 vom damaligen Jünglingsverein aufgeführten, über Villmar hinaus bekannten und 1924 wiederholten Wilhelm Tell Festspielen hinter der Struth, bei denen die Sänger den Schlussgesang übernommen hatten. Doch schon im Juli 1924 stand der noch junge Verein vor einer schweren Entscheidung. Ein Beschluss der ”Teutonia” besagte, dass für Sänger eine Doppelmitgliedschaft in beiden Gesangvereinen ausgeschlossen sei. Dies betraf etwa zwei Drittel der Vereinsmitglieder, darunter den Dirigenten Gustav Martin Aumüller.

In einer ausserordentlichen Generalversammlung des Quartettvereins beschlossen die Sänger, als selbständiger Verein bestehen zu bleiben und die Beschränkung der Sängerzahl auf 16 aufzuheben. Zwei Sänger des Quartettvereins verblieben bei der ”Teutonia” und schieden aus dem Quartettverein aus. Noch 1924 traten 4 neue Sänger bei, am Ende des Jahres hatte der Chor 18 Sänger. Der Verein wandte sich nun größeren Aufgaben innerhalb und ausserhalb Villmars zu.

Schon 1926 gestaltete man an Ostern einen Konzert und Theaterabend, trug zur Fahnenweihe des MGV ”Eintracht” Runkel ein Chorwerk vor, beteiligte sich bei der Feier zum 90jährigen Bestehen des MGV ”Teutonia” und an dem mit diesem Fest verbundenen Gruppensingen des Nassauischen Sängerbundes in Villmar mit einem Begrüßungschor und besuchte zwei Wochen später mit 24 Sängern den Wettstreit beim Männergesangverein Limburg. Der erste Wettstreit brachte dem Verein einen schönen Erfolg: in der III. Klasse den 1. Klassenpreis, die höchste Punktzahl der Klasse und für den begabten und tüchtigen Laienchorleiter, den Steinmetz Gustav Martin Aumüller, den Dirigentenpreis.

Bereits 1927 errang der Quartettverein auf dem Gesangswettstreit in Oberbrechen alle ersten Preise seiner Klasse einschließlich des Dirigentenpreises für Gustav Martin Aumüller. Unter dessen umsichtiger Chorleitung setzte sich die Entwicklung in den folgenden Jahren fort. Am Schluss des Jahres 1931 zählte der Chor 44 Sänger, die Sängerzahl ging bis 1938 auf 33 zurück, vorwiegend bedingt durch die Einberufung junger Sänger zum Arbeits- und Militärdienst. In den endzwanziger und dreißiger Jahren zeichnete sich der Quartettverein durch den Besuch von Wettstreiten, durch Konzert und Theaterveranstaltungen aus. Dabei ließ man nie die dem Quartettverein eigene sprichwörtliche Geselligkeit zu kurz kommen. Unter Kapellmeister Heinz Möhn aus Limburg, der knapp drei Jahre anstelle des erkrankten und 1934 zum Ehrendirigenten ernannten G. -M. Aumüller die Chorleitung übernommen hatte, wirkten die Sänger des Quartettvereins in einer Chorgemeinschaft mit Sängern des MGV Limburg und MGV Elz bei der Uraufführung der von Möhn selbst komponierten ”Hymne an die Menschheit” im Juni 1935 anlässlich eines Gausängerfestes im Kurhaus zu Wiesbaden mit. Nach einer Probeaufnahme im Jahre 1937 wurde der Quartettverein für die Stunde des Chorgesangs beim Frankfurter Rundfunk engagiert. Das Singen wieder unter Leitung von Gustav-Martin Aumüller wurde dann im Mai 1938 im Senderaum in Koblenz aufgenommen und direkt übertragen. Mit diesem Singen war ein Familienausflug verbunden, der zum Deutschen Eck und zum Niederwald-Denkmal nach Rüdesheim führte.

Kriegsbedingt ruhte die Vereinstätigkeit fast neun Jahre. Anfang 1948 wurde die Vereinstätigkeit wieder aufgenommen; man beklagte 13 Kriegsgefallene und 4 vermisste Mitglieder. Als Vorsitzender übernahm Ludwig Bernard die Vereinsführung und G.-M. Aumüller wieder die Chorleitung. Die erste Singstunde war von 28 Sängern besucht, am Ende des ersten Geschäftsjahres 1948/49 zählte der Chor 54 Sänger. Diese Sängerzahl wurde bis heute dank hervorragender musikalischer Leitung, guter Vorstandsarbeit, kameradschaftlichem Zusammenhalt aller Mitglieder und einem geselligen Vereinsleben nicht unterschritten.

Mit G.-M. Aumüller setzte der Verein seine erfolgreiche Chorarbeit fort. In diese Zeit fielen wieder Konzerte, Theateraufführungen, Teilnahmen an Chorwettbewerben, Wertung? und Kritiksingen und vor allem die Teilnahme an Festlichkeiten anderer Ortsvereine. 1955 wollte

G.-M. Aumüller den Dirigentenstab in jüngere Hände legen. 35 Jahre hatte er, unterbrochen durch das kriegsbedingte Ruhen der Vereinstätigkeit und krankheitsbedingte Vertretungen durch Heinz Möhn, Ferd. Dernbach jun. und Jakob Kraus den Verein geprägt.

Bei einem Gesangwettstreit in Fischbach/Taunus waren Vorstand und Sänger auf den jungen erfolgreichen Chorleiter Hubert Weller aufmerksam geworden. Er wurde für den Quartettverein gewonnen und im Oktober 1955 in sein Dirigentenamt eingeführt. Unter seiner Leitung hat der Verein schöne Erfolge errungen, die den Verein über die Grenzen der näheren Heimat hinaus bekannt gemacht haben. Die Veranstaltungen zur Fahnenweihe, zu den Jubiläumsfesten 1960 und 1970, erfolgreiche Teilnahme an nationalen und internationalen Sängerwettstreiten, z.. B. in Venlo, viele gutbesuchte Konzerte in Villmar, auch Nachbarschaftskonzerte und Auslandskonzerte (im Elsass, in Innsbruck, St. Vigil Südtirol, Klagenfurt), aber auch Konzertreisen in den Bayerischen Wald mit einem Halbstundenkonzert im Dom zu Passau sowie ins Allgäu, dazu hervorragende Kritiken bei Wertungssingen haben die Leistungen von Chorleiter und Chor eindrucksvoll bestätigt.

Hubert Weller war mit dem Chor und allen Sängern in herzlicher Weise verbunden. Seine Zusammenarbeit mit drei Vorsitzenden, dem Vorstand und den Sängern war immer ungetrübt. Im Rahmen eines Jubiläumskonzertes anlässlich des 70jährigen Bestehens des Vereins und zu seinem 70.Geburtstag sollte Hubert Weller im April 1990 verabschiedet werden. Das Konzert musste wegen seiner Erkrankung ausfallen. 

In einer würdigen, von Liedbeiträgen des Jungen Chores Lindenholzhausen und des Quartettvereins umrahmten Feier wurde Hubert Weller zum Ehrenchorleiter ernannt und Jürgen Faßbender, der schon seit Anfang März die Leitung des Chores übernommen hatte, als neuer Chorleiter vorgestellt. Mit Jürgen Faßbender begann eine neue Ära für den Quartettverein. Unter seiner Leitung gestaltete der Verein Konzerte, pflegte Kontakte zu Orts- und Nachbarvereinen, nahm an Kritik- und Wertungssingen teil und besuchte mit großem Erfolg Chor und Volksliederwettbewerbe in Hasselbach / Ts, Saulheim, Bremthal, Oberbrechen, Bürstadt. 1995 fanden anlässlich des 75jährigen Bestehens des Quartettvereins unter seiner Betreuung vom 19. bis 21. Mai die Villmarer Chortage mit einem Offenen Kritiksingen der Sängergruppe III des Sängerkreises Limburg, einem Volksliederwettbewerb und einem Chorwettbewerb in der König - Konrad Halle statt. Zum Jubiläum wurde außerdem ein hervorragend gelungenes Chor und Klavierkonzert gestaltet und ein Gruppenchorkonzert sowie ein Jubiläumsfestabend durchgeführt. Vereinsausflüge führten verbunden mit Konzertreisen, nach Pardubice / Tschechien, nach Berlin, nach Bad Bramstedt und Benshausen/Thüringen.

In 75 Jahren ist beim Quartettverein Villmar einiges passiert. Doch kein Grund, sich selbstzufrieden zurückzulehnen in einer Zeit, in der der Männerchor als solcher mehr und mehr zu einem Fossil unserer Kulturlandschaft zu werden droht. Diesem Trend gilt es, durch eine intensive kritische Auseinandersetzung mit der Tradition und vor allem mit der Chorliteratur, entgegenzuwirken. Es genügt nicht, die ständig bemühte Formel von der ”Pflege des Liedgutes” zu wiederholen und dabei qualitative Aspekte zu vernachlässigen. Intensive Stimmbildung, sorgfältige Literaturauswahl und Programmzusammenstellung, Öffnung für zeitgenössische und auch fremdsprachliche Chormusik, Integration von jungen Sängern und nicht zuletzt die Besinnung darauf, das die Musik selbst sowie der Spaß an der Musik im Zentrum chorischer Arbeit stehen, bilden die Voraussetzung, daß Chorgesang lebendiger Bestandteil unserer Kultur ist und bleibt”, schrieb Jürgen Faßbender 1995 in das Festbuch. Dem fühlt sich der Quartettverein verpflichtet. Der Quartettverein zählt heute 63 Sänger und 284 fördernde Mitglieder. Vorsitzender ist Raimund Werner.

Jakob Höhler